Der Fahnenschwinger, der früher Fähnrich hieß 

Neben den Offizieren galt der Fähnrich (ursprünglich: Fendrich) als wichtigster Mann. Im Ring der Knechte wurde der ernste Fahnenschwur von ihm geleistet, welcher besagt, dass

...er niemals die Fahne verlassen will, noch verlieren;
...so er keine Hände mehr hat, sie zu halten /
nehme er sie zwischen die Zähne /
geht auch das nimmer /
hülle er sich drein /
bis ihm der Atem entflieht...

Weiterhin hieß es in einer 1565 veröffentlichen Schrift, dass der Fahnrich ein kecker männlicher Gesell, der einen Verstand habe, Kriegserfahren und geübet sey."

Kurz vor der Schlacht übergab er dem Nächsten das flatternde Tuch und umschritt langsam die Krieger mit mutvollen Worten, mahnend, getreulich zu ihm zu stehen. Der Fähnrich war somit Mittelpunkt und Zusammenhalt für seine Knechte, da er Führer und Bewahrer des Zeichens ist, in dem allein sich ihre Einheit konstituiert. Der Verlust der Fahne bedeutete somit das Erlöschen jeglicher Gemeinsamkeit und damit zugleich das Ende jeglicher militärischer Aktion.

Die Verteidigung der Fahne war daher oberste Aufgabe des Fähnrichs, da sich in ihr das ideelle und ideale Sein, der unter ihr versammelten Kriegsknechte verkörperte.

Im Gegensatz zum Fähnrich, der sich in vorderster Front befand, war der Bannerträger beim Obristen, schützende Wachen hielten ihm zur Seite. Bannerträger waren zumeist aus dem adligen Geschlecht, welche die Ehre, das Banner zu tragen, tapfer verdient hatten.

Das Fahnenschwingen der Fähnriche reiht sich in diesem Kontext somit in die anderen Waffenspiele mit ein, da nur durch ständige Übung der Fähnrich die notwendige Gewandtheit in der Handhabung von Waffe und Fahne erreichen konnte.

Bis heute haben sich Bruchstücke aus der vergangenen Zeit erhalten, so gibt es bis heute bei der Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland den Dienstgrad des Fähnrichs bzw. des Oberfähnrichs, welcher den Dienstgrad vor der eigentlichen Offizierslaufbahn beschreibt.