Woher kommt das Fahnenschwingen? 

Der Ursprung des Fahnenschwingens lässt sich bis in die früheste Geschichte der Menschen zurückverfolgen. Schon bei den germanischen Völkern, insbesondere bei den Langobarden, war es Sitte, die eigenen Kampfscharen mit einem Kennzeichen zu versehen. Anfangs bestand dieses lediglich aus einem Tuch oder Fellstreifen, das "Banda" genannt wurde. Später entstand dann daraus die uns geläufige Bezeichnung "Fahne".

Die Bedeutung der Fahne war zunächst rein symbolischer Natur. So stellte sie zum Einen ein Mittel dar gegen den bösen Einfluss der gegnerischen Streitkräfte mit dem Ziel, die Kampfesmoral der eigenen Truppe zu stärken. Zum Anderen erfüllte die Fahne eine weitere Funktion im rituellen-religiösen Bereich. Durch die ständigen Völkerwanderungen sahen sich die Stämme sehr bald gezwungen, ihre Götterstatuen, deren Mitnahme sehr umständlich war, durch leichter zu handhabende Gegenstände zu ersetzen. Als Zeichen der Gottheit wurden daher immer mehr "Tücher" bzw. "Fahnen" verwendet, die leichter zu transportieren waren, als die unhandlichen und schweren Götterstatuen. Die Fahne als Symbol magischer, übernatürlicher Mächte ist bis in unsere heutige Zeit nahezu unverändert erhalten geblieben.

Wie lebendig solche Vorstellungen waren - die Fahne als Vergegenwärtigung einer höheren Macht und als Garant des Sieges - zeigt ein Auszug aus einem Fahnenbüchlein des 17. Jahrhunderts:

"Dann der Fahnen/...den Soldaten solanger er in dem Feld fliehet/
Hertz und Muth gibt, dass sie nicht allein deß do tapferer streiten/
sondern auch ein Hoffnung oder aber ein Kenntzeichen deß Sieges haben."

Die Herkunft des Fahnenschwingens lässt sich bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen. Römische Fahnen- und Bannerträger ("Banderei") pflegten dem päpstlichen Umzug voranzugehen, indem sie ihre Fahnen und Banner zum Zeichen des Jubels und der Freude schwenkten.

Eine Blüte erfuhr das Fahnenschwingen dann im Mittelalter, wo es bei religiösen, zivilen und militärischen Feierlichkeiten überall angewendet wurde. So wurden etwa im 15. Jahrhundert überall in Europa Fahnenschwingerschulen gegründet, die genaue Regeln und Vorschriften hinsichtlich des Fahnenspiels erarbeitet. Vor Allem die schweizerische und deutsche Nationalschule genoss im 17. und 18. Jahrhundert, hier vor Allem in militärischen Kreisen, großen Ruhm.

Ende des 19. Jahrhunderts verlor das militärische Fahnenspiel jedoch immer mehr an Bedeutung, so dass es schließlich nur noch in einigen Städten Europas, besonders in der Schweiz und Italien, gepflegt wurde.

Heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, erlebt das Fahnenschwingen wiederum eine neue Blüte in verschiedenen europäischen Ländern, indem man versucht, durch Verbindung von Antikem und Modernem neue, ausdrucksvolle Fahnenspiele zu schaffen.